Stadt oder Wald.
Spirituelle Arbeit und ganz normales Leben sind keine Gegensätze – sie sind Teile eines Weges.

Es gibt ein Kostüm fürs „Spirituellsein“: neutrale Kleidung, keine Bars, keine lauten Freunde, am besten eine Hütte im Wald. Bella hat dieses Bild jahrelang mit sich getragen – bis sie gemerkt hat, dass es nur ein weiteres Etikett ist, das uns glänzende Pseudo-Retreats zurückverkaufen, Cocktails inklusive.
Ihr Fazit könnte über dieser ganzen Seite stehen: Spirituelle Arbeit und ganz normales Leben sind keine Gegensätze – sie sind Teile eines Weges. „Ein Ort, der auf dich wartet“ sagt dasselbe von der gechannelten Seite her: Der Ort, den du suchst, ist kein ferner Himmel. Er ist jetzt verfügbar, in diesem Atemzug – in der Stadt, im Wald, an jedem Ort.
Also nein, du musst nicht in den Wald ziehen. Du musst nur im Kontakt mit dir selbst bleiben. Sie sagt es besser.
🌸 Spirituelle Arbeit und ganz normales Leben
Ich habe immer gedacht, es gäbe ein bestimmtes Bild von einem Menschen, der spirituelle Arbeit macht.
Er soll auf eine ganz bestimmte Art aussehen:
neutrale Kleidung tragen, keine sozialen Netzwerke nutzen, nicht in Bars gehen, nicht an gewöhnliche Orte reisen, irgendwo als Einsiedler im Wald leben und keine lauten Runden um sich versammeln.
Besonders wenn man die verbotenen Netzwerke öffnet – dort sind lauter gleichartige Videos: entweder „ehemalige Partygänger“, die plötzlich, schlagartig „erleuchtet“ sind, oder hübsche Pseudo-Retreats mit Cocktails am Strand.
Aber in Wirklichkeit ist alles ganz anders.
Spirituelle Arbeit kann und soll man mit dem ganz normalen Leben verbinden.
Das sind keine Gegensätze, sondern Teile eines Weges.
Spirituelle Praktiken helfen dir:
langsamer zu werden, dich zu reinigen, auszuatmen,
zu dir selbst zurückzukehren – nicht, indem du vor der Welt davonläufst, sondern indem du in ihr bleibst.
Ja, es gibt echte Retreats.
Aber dorthin fährt man nicht mit Handy und Weinglas.
Man fährt dorthin, um sich vom äusseren Lärm zu erholen, in die Praktiken einzutauchen, der Stille zu lauschen.
Und solche Orte sind schwer zu finden.
So schwer, wie einen echten Schamanen, Mentor oder Begleiter zu finden. Man sieht sie nicht in der Werbung. Sie machen kein Aufheben von sich.
Früher, in den Stämmen, war alles klar:
dieser – ein Krieger, dieser – ein Schamane, dieser – kocht das Essen.
Jeder hatte seine klare Rolle. So hat man überlebt.
Aber die Welt ist heute eine andere.
Und Etiketten zu verteilen braucht es nicht mehr.
Du kannst ein spiritueller Mensch sein – und trotzdem ins Café gehen, mit Freunden lachen,
mit dem Flugzeug fliegen, in der Küche tanzen, bunte Kleider tragen, das Leben lieben.
Spiritualität ist keine Form. Sie ist Inhalt.
Und das ist das Wertvollste:
nicht spirituell auszusehen, sondern im Kontakt mit dir selbst zu leben.
In der Stadt, im Wald, an jedem Ort.
Danke fürs Lesen.
Wenn ihre Worte dich irgendwo erreicht haben, wo meine nicht hinkommen – gut. Dafür ist dieser Blog da. Nimm, was passt, und lass den Rest liegen.
– Jan