Gut oder schlecht?
Die Natur hat keine Etiketten – sie hat Rhythmen, Zyklen, Ketten und Gleichgewicht.

Ein Tigerhai legt Hunderte von Kilometern zurück, um genau dann anzukommen, wenn die Meeresschildkröten schlüpfen. Kein Kalender, keine Erinnerung – Instinkt, Gedächtnis, Zyklus. Bella ist süchtig nach Tier-Dokus geworden, und die haben ihr eine Frage zugespielt, die wir meist zu schnell beantworten: War der Hai böse?
„Das universelle Prinzip des Gleichgewichts“ steht auf demselben Boden: Die Natur sucht ihr Gleichgewicht wertfrei – Rhythmen, Zyklen, Ketten – und das Urteil legen wir obendrauf. Bella trägt diesen Gedanken bis in die schweren Räume hinein, den Tod eingeschlossen, und hält ihn so, wie hier alles gehalten wird: mit offenen Händen. Was wir „schlecht“ nennen, ist meistens das, was wehtut – und danach kommt fast immer etwas Neues.
Lies den Beitrag, bevor das nächste Etikett draufkommt. Ihr Kater darf übrigens nach wie vor aufs Bett.
⚖️ Gut oder schlecht?
Wir sind es gewohnt, alles in „gut“ und „schlecht“ zu teilen.
Nicht nur Dinge – auch Menschen, Taten, Ereignisse, Entscheidungen.
Wir kleben sehr schnell ein Etikett drauf. Aber im Massstab des Universums, in der Kette aller Wesen,
gibt es kein Schlecht und kein Gut.
Alles geschieht – für etwas.
Ja, ich weiss, das klingt banal.
Und sogar absurd – wenn wirklich schwere Dinge geschehen.
Aber ganz so ist es nicht.
Ich bin süchtig nach Dokus über Tiere geworden. Und weisst du, sie zeigen erstaunlich gut, wie einzigartig und wie genau unsere Welt eingerichtet ist.
Auf den Bahamas und vor der Küste Costa Ricas
kommen die Tigerhaie in einer bestimmten Saison –
genau dann, wenn die Meeresschildkröten massenhaft schlüpfen.
Sie können Hunderte von Kilometern zurücklegen, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
Ohne Kalender. Ohne Erinnerung.
Nur Instinkt, Gedächtnis, Zyklus.
Und da schlüpft eine kleine Schildkröte, rennt Richtung Wasser –
und ein Hai frisst sie.
„Böser Hai“, oder?
Vielleicht sollten wir ihn ins Gefängnis stecken?
Oder mein Kater.
Jede Nacht schläft er an mich gekuschelt, schnurrt, ganz verschmust.
Und tagsüber bringt er mal einen Vogel, mal ein Eichhörnchen mit. Ist er „böse“?
Natürlich nicht.
Er lebt einfach, wie er kann. Wie er fühlt. Wie er gemacht ist.
Die Natur hat keine Etiketten.
Sie hat Rhythmen, Zyklen, Ketten, Gleichgewicht.
Ja, wir sind Menschen.
Wir haben Sprache, Gefühle, Bewusstsein.
Aber selbst in unserem Leben
ist alles, was wir „schlecht“ nennen –
bloss schmerzhaft, ungewohnt, unbequem.
Der Tod? Wir nennen ihn schlecht,
weil es uns wehtut.
Aber der Seele tut es nicht weh.
Sie geht. Kommt zurück.
Alles ist Teil von etwas Grösserem.
Und die kleineren Dinge, die wir in die Kategorie „schlecht“ stecken –
eine Trennung, eine Kündigung, ein Verlust…
Wenn man genauer hinschaut,
kommt nach diesem „schlecht“ fast immer etwas Neues.
Vielleicht ist alles gar nicht so „schlecht“?
Danke fürs Lesen.
Wenn ihre Worte dich irgendwo erreicht haben, wo meine nicht hinkommen – gut. Dafür ist dieser Blog da. Nimm, was passt, und lass den Rest liegen.
– Jan