Wer bin ich?
Du kannst nicht beantworten, wohin du gehörst, bevor du beantwortet hast, wer du bist – und diese Antwort kommt nie aus dem Kopf.
Dieser Brief fand mich an einem unruhigen Tag – einem von denen, an denen eine alte Frage wieder auftaucht: Wo gehöre ich eigentlich hin? Die meiste Zeit meines Lebens habe ich mich wie ein Gast gefühlt. In Gruppen, an Orten, in der Arbeit, die ich tue. Überall ein bisschen zu Hause, nirgends ganz.
Der Brief dreht die Frage um. Er sagt: „Wo gehöre ich hin?“ lässt sich nicht beantworten, bevor eine tiefere Frage beantwortet ist: „Wer bin ich?“ – und diese Antwort wohnt nicht im Kopf. In „Lebendig werden“ haben wir die Einladung der Liebe gehört, zu dir selbst heimzukehren – nah genug, um deinen eigenen Herzschlag zu spüren. Dieser Brief benennt, warum dieses Heimkommen so lange dauern kann: Du kannst nicht ankommen, solange du nicht weißt, wer da ankommt.
Wenn du das Gefühl kennst, neben deinem eigenen Leben zu stehen, ist dieser Brief für dich.
Liebe Wanderin,
Lieber Wanderer.
Wie du da sitzt. Unruhig, ängstlich, enttäuscht. Abgespalten. Ohne Zugang. Nicht gelandet auf dieser Welt. Zumindest fühlt es sich so an. Du fragst dich: Wo sind meine Wurzeln? Wo bin zu Hause? Wo kann ich mich geborgen und sicher fühlen? Wo kann aufatmen und zur Ruhe kommen? Vielleicht war dein Leben bis hierhin rastlos. Immer auf der Suche. Nie fündig. Immer unterwegs, nie angekommen. Überall, aber nirgends zu Hause. Du hast noch nie die Sprache der anderen gesprochen. Fühltest dich nur von einer Handvoll Menschen verstanden. Und selbst bei ihnen warst du oft „falsch“.
Dieses Nicht-Zugehören ist die Quelle deiner Hoffnungslosigkeit. Vielleicht begleitet es dich schon dein Leben lang. Vielleicht warst du schon als Kind immer fremd. Du übst einen Beruf aus und hast trotzdem nicht das Gefühl, dieser Beruf zu sein. Du lebst in einem Land, aber bist nicht von dort. Du gehst an einen anderen Ort – und gehörst auch dort nicht hin. Die Frage „Wo gehörst du hin?“ setzt die Antwort auf „Wer bist du?“ voraus. Es ist eine existenzielle Frage. Erst wenn du eine Antwort auf diese Frage findest, kannst du „ankommen“. Und die Antwort darauf ist nicht im Kopf. Nicht rational. Frage dein Herz. Frage deine Intuition. Deine Essenz. Wer bin ich?
Schön, dass Du da bist.
Wenn etwas aus diesen Briefen bei Dir geblieben ist, nimm es mit – denk darüber nach, schreib Deine eigene Antwort oder lass es einfach wirken.
Und wenn nicht heute, ist das auch okay. Es gibt keine Eile.
Bis zum nächsten Mal,
– Jan

