Stille.
Die Stille unter dem Lärm ist nicht leer.
Ich fülle Stille so, wie andere Leute peinliche Gesprächspausen füllen. Podcast beim Spaziergang, Radio in der Küche, noch einmal scrollen vor dem Einschlafen – alles, nur nicht der Klang des eigenen Kopfes, wenn er nichts zu tun hat.
Dieser Brief hält dagegen: Die Stille, die ich ständig übertöne, ist nicht leer – und das Wenige, das in ihr hörbar wird, ist Führung. Sie hereinzulassen heißt, den Griff des Verstandes um jede wache Minute zu lockern – dieselbe Bewegung, die wir in „Die Kunst des Loslassens“ üben.
Versuch, den Brief langsam zu lesen. Er funktioniert am besten im Schritttempo.
Liebe Wanderin,
Lieber Wanderer.
Wie geht es dir heute? Spüre in dich hinein. Was fühlst du? Worauf hast du heute Lust?
Atme ein paar Mal tief durch.
Und dann höre noch einmal in dich hinein.
Lass Stille entstehen.
So als würdest du mitten im Wald stehen – fernab von allem.
Totale Stille.
Ruhe.
Nur der jetzige Moment.
Nachdem du dich an die Stille gewöhnt hast, merkst du, dass du deinen eigenen Atem hören kannst. Dann das leise Rauschen der Blätter. Vielleicht das sanfte Knacken eines Astes. Schritte eines Eichhörnchens. Das Graben eines Käfers.
Und plötzlich spürst du: Diese Stille lebt.
In ihr öffnet sich eine eigene Welt, die zuvor verborgen schien.
Übertönt vom ohrenbetäubenden Lärm des Verstandes.
Lerne, diese Stille zu kultivieren. Kehre immer wieder in sie zurück.
Denn die leisen Geräusche in dieser Stille haben Bedeutung.
Sie führen dich.
Sie sind deine Helfer.
Deine innere Stimme.
Deine Essenz.
Schön, dass Du da bist.
Wenn etwas aus diesen Briefen bei Dir geblieben ist, nimm es mit – denk darüber nach, schreib Deine eigene Antwort oder lass es einfach wirken.
Und wenn nicht heute, ist das auch okay. Es gibt keine Eile.
Bis zum nächsten Mal,
– Jan

