Liebe.
Du bist auf dem Weg, die reine Liebe kennenzulernen – sie trägt dich auch dann, wenn sie sich versteckt, und beweisen kannst du sie nicht, nur ihr vertrauen.
Es gibt Tage, an denen sich dieser ganze Weg von selbst versteht – die Briefe kommen an, die Arbeit fließt, und Liebe ist weniger ein Wort als ein Klima. Und es gibt Tage, an denen ich eine Quittung will. Ein Zeichen, ein Ergebnis, irgendetwas Messbares, das sagt: Das hier ist echt, mach weiter. Dieser Brief kam für die zweite Sorte Tage.
Er antwortet mit einem Porträt statt mit einem Beweis: Liebe ist weit und leicht, still und leer, und sie existiert nur im Jetzt – nah genug, um dich zu tragen, zu weit weg, um sie zu greifen. Beweisen, sagt er, ist ein Konstrukt des Verstandes. Das „Amulett der Liebe“ trägt dieselbe Erinnerung als Gegenstand: eine Liebe, die nichts von dir verlangt und der du genau deshalb vertrauen kannst, weil sie nichts zurückwill. Der Brief benennt den Tausch nüchtern: Je weniger du von ihr erwartest, desto mehr gibt sie.
Wenn du die Liebe – oder das Leben – bittest, sich erst zu beweisen, lies diesen Brief langsam. Er argumentiert nicht. Er beschreibt.
Liebe Wanderin,
Lieber Wanderer.
Liebe ist weit und leicht. Unendlich weit und unendlich leicht. Sie ist still und leer. Und in dieser Leere ist Fülle. Liebe existiert nur im Jetzt. In diesem Moment. Aber in ihrer Unendlichkeit durchdringt sie jedes mögliche „JETZT“. Aber davon später mehr. Du bist auf dem Weg, diese reine Liebe kennenzulernen. Du hast sie schon oft erfahren und mit ihr kreiert. Doch ihr wahres Ausmass ist noch nicht vorstellbar. Sie ruft dich zu ihr in Momenten der Klarheit und zeigt sich darin – und sie versteckt sich im Nebel und verlangt Vertrauen in sie. Sie lässt sich nicht testen. Nicht messen und nicht prüfen. „Beweisen“ ist ein Konstrukt des Verstandes. Liebe existiert weit hinter diesem Horizont. Gleichzeitig überall und nirgendwo. Immer nahe genug, um dich zu tragen und zu weit weg, um sie zu greifen. Je weniger du von ihr erwartest oder willst, je mehr gibt sie.
Schön, dass Du da bist.
Wenn etwas aus diesen Briefen bei Dir geblieben ist, nimm es mit – denk darüber nach, schreib Deine eigene Antwort oder lass es einfach wirken.
Und wenn nicht heute, ist das auch okay. Es gibt keine Eile.
Bis zum nächsten Mal,
– Jan

