Verwoben.
Unabhängigkeit ist eine Illusion, praktisch wie spirituell – alles hängt voneinander ab, und das ist keine Last, sondern etwas Wunderschönes.
Ich habe wegen eines Autokaufs gefragt. Eine praktische Frage – aber dahinter saß ein alter Reflex: Egal, was ich wähle, ich will niemandem etwas schulden. In diesen Reflex habe ich über die Jahre absurd viel Energie gesteckt. Niemanden brauchen. Alles selber machen. Nur um Hilfe bitten, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gab.
Der Brief überspringt das Auto komplett und antwortet auf den Reflex. Unabhängigkeit, sagt er, ist eine Illusion – auf jeder Ebene. Ganz praktisch: Jemand hat dein Essen angebaut, jemand hat die Straßen gebaut, auf denen du fährst. Und spirituell: Alles ist mit allem verbunden, und Verbindung selbst schafft Abhängigkeit – die Erschöpfung kommt daher, dass wir genau das leugnen. In „Angst und Kontrolle“ haben wir gesehen, dass Kontrolle eine Illusion ist, nach der wir greifen, wenn die Angst übernimmt; dieser Brief zerlegt ihre Schwester. Und „Nicht allein“ hat schon benannt, wo das Alleinsein gebaut wird: innen.
Lies ihn, wenn du dich das nächste Mal dabei ertappst, Hilfe abzulehnen, die du eigentlich brauchst. In den letzten Zeilen steckt alles: Wir sind nicht allein. Wir sind verbunden.
Liebe Wanderin,
Lieber Wanderer.
Abhängig sein, das war dir schon immer ein Dorn im Auge. Wie viel Energie und Arbeit hast du schon ins Unabhängigsein gesteckt in deinem Leben? Niemanden zu brauchen. Alles selber zu machen. So als wärst du der einzige Mensch auf der Welt.
Ja, das ist anstrengend. Ja, du bist müde. Erschöpft. Erschöpft davon, diese Illusion der Unabhängigkeit aufrechtzuerhalten.
Ja, genau – Unabhängigkeit ist eine Illusion. Sowohl praktisch als auch spirituell.
Ganz praktisch: Woher kommt dein Essen? Wer baut die Infrastruktur, in der du lebst? Aha, du denkst, in der Natur zu leben wäre unabhängig? Aber bist du dort nicht genauso abhängig? Sogar noch mehr? Abhängig von der Natur. Von den Pflanzen und Tieren. Vom Wetter. Siehst du es?
Und das bringt uns auf die nächsthöhere Ebene: Alles im Universum steht in Wechselwirkung zueinander. Alles ist mit allem verbunden. Und eine Verbindung zu etwas schafft per se eine Abhängigkeit. Also hängt alles voneinander ab. Weil alles zusammenhängt. Weil das eine zum andern führt. Weil das andere das eine bedarf. Weil alles aufeinander aufbaut.
Siehst du es, wir sind alle voneinander abhängig – und das ist wunderschön. Denn wir sind nicht allein. Wir sind verbunden. Wir sind alle eins.
Schön, dass Du da bist.
Wenn etwas aus diesen Briefen bei Dir geblieben ist, nimm es mit – denk darüber nach, schreib Deine eigene Antwort oder lass es einfach wirken.
Und wenn nicht heute, ist das auch okay. Es gibt keine Eile.
Bis zum nächsten Mal,
– Jan