Alles ausprobieren.
Eine Million Kinderwünsche, zusammengeschrumpft auf eine Arbeit und ein Hobby – bis sie beschliesst, wieder alles zu wollen.
Jedes Kind will alles ausprobieren; dann prüft jemand an der Tür, ob Talent da ist. Bella zeichnet das Engerwerden ehrlich nach: eine Million Fragen, zusammengeschrumpft auf „eine Arbeit finden, ein Hobby, bloss nicht auffallen“. Und dann verweigert sie es auf die einfachste Art, die es gibt: Sie beschliesst, alles zu machen, was ihr in den Kopf kommt.
Was die Verweigerung tragfähig macht: Sie schmuggelt den Ehrgeiz nicht wieder hinein. Sie fragt, was „Erfolg“ überhaupt heisst, und begnügt sich mit Zufriedenheit und Erfahrung – singen, malen, teilen, weil es sie interessiert, nicht weil ein Urteil bevorsteht. „Lebendig werden“ beginnt mit derselben Entdeckung: der Annahme, dass wir mehr tun müssen, um lebendiger zu werden – weiter ausgreifen, irgendwie mehr werden – und der Antwort, dass Lebendigkeit nie hinter dieser Tür lag.
Mit der Stimme, die sagt, du bist ja kein grosser Picasso, wird hier nicht gestritten. Sie bekommt ein Danke – wie eine alte Aufpasserin, die vom Dienst entbunden wird – und dann entscheidet Bella selbst.
Erinnert ihr euch noch, wie wir als Kinder alles ausprobieren wollten? Wir hatten eine Million Fragen und genauso viele Ideen und Wünsche. Wir wollten singen, malen, tanzen, ins Weltall fliegen und Doktor sein. Und ziemlich oft, besonders wenn wir kein grosses Talent hatten, hat man uns gesagt, dass wir das nicht brauchen. Wir würden ja sowieso nicht Musiker, Künstler oder Dichter werden. Und so sind unsere Wünsche, unsere Leidenschaft, unser Interesse an allem um uns herum Stück für Stück auf dieses Mass zusammengeschrumpft: eine Arbeit finden, ein Hobby, und bloss nicht auffallen.
Als ich mich neulich daran erinnert habe, habe ich beschlossen, dass ich alles machen will, was mir in den Kopf kommt. Singen, malen, einen Blog schreiben, teilen, lernen, erschaffen. Und vielleicht werde ich in keiner dieser Richtungen Erfolg haben – übrigens, was heisst „Erfolg“ überhaupt? Also: Selbst wenn ich in keinem dieser Dinge grossartig werde, bekomme ich Zufriedenheit und Erfahrung, während ich es tue.
Wie oft wolltet ihr etwas tun, aber diese Stimme war im Weg? Du schaffst das ja doch nicht, bei dir klappt das ja eh nicht, du bist ja kein grosser Picasso usw. Tja – nicht alle sind, sozusagen, zur Grösse geboren, aber das heisst nicht, dass wir kein Recht haben, die Dinge zu tun, die uns interessieren. Wenn ihr etwas schon immer ausprobieren wolltet – jetzt ist genau die richtige Zeit. Sagt dieser Stimme danke, aber ihr seid keine Kinder mehr: Ihr könnt eure Entscheidungen selbst treffen und das tun, wozu euch das Herz zieht🩷
Danke fürs Lesen.
Wenn ihre Worte dich irgendwo erreicht haben, wo meine nicht hinkommen – gut. Dafür ist dieser Blog da. Nimm, was passt, und lass den Rest liegen.
– Jan