Für dich selbst.
Ein bis fünf Prozent zeichnen, um davon zu leben; alle anderen sind frei – zu zeichnen, zu singen, zu kneten und Blödsinn zu machen, ohne dass es irgendjemandem gefallen muss.
Der Grund, nicht anzufangen, ist immer zur Hand: Ich zeichne furchtbar. Bella rechnet ehrlich nach – welcher Teil der Welt zeichnet gut genug, dass seine Arbeiten gekauft werden? Ein Prozent? Fünf? – und sieht, was die Zahlen wirklich bedeuten: Alle anderen, die zeichnen, zeichnen für sich selbst. Die Messlatte fürs Talent bewacht einen Beruf, kein Vergnügen.
Das ist die Behauptung, auf der diese ganze Seite steht, gesagt auf Küchentisch-Höhe: Was aus Freude entsteht, braucht keine Anerkennung, denn sein Wert entscheidet sich an der Quelle, nicht beim Publikum. Die 44 Ways of Creation, die hier in der Galerie hängen, sind genau so entstanden – durch Zuhören, nicht durch Qualifikation. Und die Zeile über ihre Tochter – möge sie alles ausprobieren, zeichnen, tanzen, Blödsinn machen und einfach Leben – ist das Gegen-Erbe zu den Man-muss ihres letzten Posts: Erlaubnis, mit Absicht weitervererbt.
Sie endet mit einer Aufgabe, die keine ist: Was schiebst du schon lange auf? Probier es aus. Hol dir dein Vergnügen.
Die ganze Zeit habe ich ein Hobby gesucht: zeichnen oder singen, oder vielleicht sticken und so weiter. Aber jedes Mal dachte ich: Ich zeichne furchtbar, und beim Sticken wachsen mir die Hände auch aus dem falschen Ort und so weiter.
Und vor Kurzem, als ich das mit meinem Mann besprochen habe, habe ich mich gefragt: Woher kommt das eigentlich? Denn wenn man auf die ganze Welt schaut – wie viel Prozent der Bevölkerung zeichnen gut? Wessen Arbeiten werden gekauft, für wen ist es eben wirklich Arbeit? 1%? 5%? Alle anderen zeichnen doch für sich. Genauso mit dem Singen, Tanzen und so weiter. Man muss keine herausragende Künstlerin sein, um zu zeichnen – man kann das alles FÜR SICH SELBST machen. Zum Vergnügen.
Ich will meine Tochter so grossziehen, dass sie alles ausprobiert. Zeichnen, tanzen, kneten, erschaffen, Blödsinn machen und einfach Leben. Für sich selbst, mit Vergnügen, ohne all diese „was werden die Leute denken“ und „aber Talent hab ich keins“ und so weiter.
Lasst uns erschaffen! Was wolltet ihr ausprobieren, habt es aber lange aufgeschoben? Macht es, probiert es! Holt euch euer Vergnügen 🩷
Danke fürs Lesen.
Wenn ihre Worte dich irgendwo erreicht haben, wo meine nicht hinkommen – gut. Dafür ist dieser Blog da. Nimm, was passt, und lass den Rest liegen.
– Jan