Zwei Fotos.
Zwanzig Kilo und ein ganzes Leben zwischen zwei Fotos – und ein Wort in Anführungszeichen, das sich nie bewegt hat.
Zwei Fotos – sie hat sie auf ihrem Kanal nebeneinandergestellt, und der Post ist drei Zeilen lang. Auf dem ersten wiegt sie fünfzig Kilo, raucht rund um die Uhr, liebt ihr Leben nicht und hält sich für „fett“. Auf dem zweiten wiegt sie siebzig, ist glücklich, Mutter, Ehefrau – und hält sich für „fett“. Die Fotos sind im Originalpost; die Zeilen stehen unten.
Das ist die ganze Erkenntnis, und sie mildert sie nicht mit einer Auflösung ab: Das Wort in Anführungszeichen hat sich nie bewegt, während sich alles, worum es angeblich ging, vollständig verändert hat. So ein Satz war nie ein Bericht über einen Körper. „Der blinde Fleck“ nennt das das verborgene Muster, das uns im Krieg mit uns selbst hält – und der erste Schritt, den der Artikel anbietet, ist genau das, was Bella hier tut: das Muster sehen, laut, ohne so zu tun, als wäre es schon verschwunden.
Drei Zeilen. Lies sie zweimal.
Foto VOR dem Kennenlernen meines Mannes: ich bin dünn, Gewicht 49–52 kg, ewig deprimiert, rauchte 24/7, liebte das Leben nicht, respektierte mich nicht, fand mich „fett“.
Foto nach Heirat/Geburt, Gewicht 70 kg. Glückliche Mama, Ehefrau, liebe das Leben, rauche nicht, trinke keinen Alkohol, ich halte mich für „fett“ und versuche abzunehmen.
Danke fürs Lesen.
Wenn ihre Worte dich irgendwo erreicht haben, wo meine nicht hinkommen – gut. Dafür ist dieser Blog da. Nimm, was passt, und lass den Rest liegen.
– Jan