Einmal ist genug.
Sechs Monate später ist der Horror verblasst, und in Erinnerung bleibt die Begegnung – und die Entscheidung gehört ihr allein, egal, was andere vorhersagen.
Ein Formular für eine Schweizer Arztpraxis hat sie ihre eigenen Geburtsunterlagen neu lesen lassen – und das Wiedererleben kam ohne die alte Angst, mit so etwas wie einem Lächeln. Sie hat nicht daran gearbeitet; das haben sechs Monate getan. Verblasst ist der Horror; geblieben sind das Warten auf die Begegnung mit ihrer Tochter, eine Ärztin namens Katja, eine Narbe wie Juwelierarbeit. So schliessen sich Wunden von selbst, wenn niemand sie offen hält.
Dann tut der Post etwas Selteneres: Er entscheidet. Ein Kind, all ihre Liebe für Sara, und später ein Leben mit ihrem Mann – schlicht gesagt, mit dem Witz über die Finanzen dort, wo das Pathos stünde. Und wenn der vorhersehbare Chor einsetzt – du überlegst es dir noch anders –, streitet sie nicht; sie dreht die Frage um: Woher kommen solche Gedanken, und wessen Wunsch ist das? „Hingabe & Entscheidung“ nennt eine echte Wahl eine, die mit offenen Augen getroffen wird und keinem fremden Ergebnis Rechenschaft schuldet. So sieht das in einem Telegram-Post aus.
Eine Zeile im Vorbeigehen ist vielleicht die tiefste: Alle ihre Freundinnen haben unterschiedlich geboren, und es spielt keine Rolle. Jeder Weg ist ein Weg.
Gerade haben wir für einen Arztbesuch in der Schweiz die Angaben über Sara und meine Geburt ausgefüllt.
Ich habe alles neu durchgelesen und alles wie von neuem durchlebt. Aber diesmal ohne diese Angst, eher mit so einem Lächeln. Ja, ein Kaiserschnitt an sich ist einfacher, als selbst zu gebären, aber es hängt eben wieder von der Frau ab – und was heisst schon einfacher? Alle meine Freundinnen haben unterschiedlich geboren. Und es ist egal, KS oder natürlich.
Die Operation begann um 16:47, um 16:51 hatten sie sie schon rausgeholt – das sind 5 Minuten –, und um 17:30 war ich schon zugenäht und wurde auf die Intensivstation verlegt. Alles zusammen, grob gesagt, eine Stunde. In dem Moment kam es mir vor, als wäre ich ein ganzes Leben dort. Und auf der Intensivstation hat es mich so stark geschüttelt, dass ich Angst hatte, ich beisse mir die Zunge ab. Damals kam mir auch das ewig vor, aber tatsächlich waren es ungefähr 5 Stunden.
Alle sagen, mit der Zeit vergisst man die Geburt. Ich habe es nicht geglaubt, aber jetzt, 6 Monate später, kann ich zustimmen: An den Horror erinnere ich mich nicht mehr so stark, aber gut erinnere ich mich an das Warten auf die Begegnung, an die Spannung. Ich erinnere mich an das Ärzteteam, an meine wunderbare Katja. Eine Ärztin von Gottes Gnaden. Die Narbe – schlicht Juwelierarbeit – wird immer daran erinnern.
Und es noch einmal durchzugehen macht mir jetzt schon nicht mehr so viel Angst, besonders nach einem Kaiserschnitt: zu wissen, dass es genauso wäre, und zu wissen, was einen erwartet – so macht es nicht mehr so viel Angst. Angst macht die Spinalanästhesie. Davor fürchte ich mich bis heute – mir kam es vor, als würden sich meine Beine nie wieder bewegen.
Ein geplanter KS ist wahrscheinlich viel angenehmer: Du kennst das Datum, du weisst, was dich erwartet.
Mein Körper fühlt sich immer noch wie 80 an. Obwohl ich jeden Tag Sport mache und meine 10k Schritte gehe, bin ich immer noch hölzern. Wahrscheinlich habe ich mich in diesen 6 Monaten zu 50% erholt.
Würde ich noch eines bekommen? Ja!
Aber nur, wenn das erste so mit 20 gewesen wäre🙈 Im Moment bin ich nicht bereit. Ich will Sara all meine Aufmerksamkeit und Liebe geben, und in etwa 7 Jahren will ich das Leben mit meinem Mann geniessen. In dieser Phase gehören wir nicht ganz uns selbst – und ich besonders.
Ich habe fest entschieden, dass für mich körperlich und in gewissem Sinne auch emotional einmal völlig genug ist. Vom Finanziellen fange ich gar nicht erst an.
Ich denke, das ist für mich der letzte Post zum Thema zweites Kind, Geburten und so weiter.
P.S. Ich weiss, viele werden sagen, ich könnte es mir anders überlegen, die Zeit wird es zeigen… Da würde ich raten, mal darüber nachzudenken: Woher kommen bei euch solche Gedanken? Drängt ihr mir euren Wunsch auf? Warum geht ihr dann nicht selbst? Habt ihr Angst?
Danke fürs Lesen.
Wenn ihre Worte dich irgendwo erreicht haben, wo meine nicht hinkommen – gut. Dafür ist dieser Blog da. Nimm, was passt, und lass den Rest liegen.
– Jan