Erschöpfung.
Über die verborgene Wurzel der Erschöpfung – und den stillen Weg zurück in den Flow durch das Annehmen dessen, was darunter liegt.
Es gibt Zeiten, in denen sich die Müdigkeit so tief legt, dass Ruhe allein sie nicht mehr erreichen kann. Wir schlafen, wir pausieren, wir versuchen uns zu erholen – und dennoch bleibt etwas schwer. Eine Müdigkeit, die jenseits des Körpers zu leben scheint. Jenseits dessen, was noch so viel Ruhe heilen kann.
In „Angst und Kontrolle" haben wir erkundet, wie Angst ihren Griff verstärkt, ohne dass wir es bemerken – wie sie still die Regie führt und genau den Fluss des Lebens einschnürt, den wir so sehr fühlen möchten. Und in unseren Reflexionen über Hingabe haben wir entdeckt, dass das Loslassen dieses Griffs keine Schwäche ist, sondern der Beginn von etwas Echtem: Vertrauen. Vertrauen, dass wir gehalten werden. Dass wir uns nicht den Weg nach vorne erkontrollieren müssen.
Dieser Brief führt uns noch einmal in dieses Gebiet – und benennt etwas, das wir vielleicht nicht erwarten: dass die Erschöpfung, die wir fühlen, oft nicht das ist, was sie zu sein scheint. Dass unter der Schwere etwas liegt, das gesehen werden möchte. Nicht geheilt. Nicht bekämpft. Einfach nur angenommen.
Liebe Wanderin,
Lieber Wanderer.
Erschöpfung ist Angst. Die Rede ist von psychischer oder geistiger Erschöpfung – die sich durchaus auch physisch bemerkbar macht. In Abwesenheit von Angst stellt sich diese Art der Erschöpfung gar nicht ein.
Angst blockiert. Lähmt. Lässt einen erstarren. Energie fliesst nicht mehr. Wir sind sprichwörtlich nicht im Flow. Entsprechend liegt die Lösung nicht in der Erholung, sondern im Akzeptieren der Angst. Siehst du? Die Wortwahl ist entscheidend: Es geht nicht um das Auflösen oder Loswerden der Angst. Das ist bereits Wollen und Kontrolle. Heilen wollen. Heilen ist nichts, was man tut. Heilung ist etwas, das von selbst geschieht, wenn man loslässt. Nichts tut. Nichts will. Die Kontrolle abgibt. Sich hingibt und vertraut.
Der erste Schritt dahin liegt im Akzeptieren. Akzeptiere deine Angst. Atme in sie hinein. Gib ihr ein Recht, da zu sein. Höre ihr zu. Lerne von ihr. Was will sie dir sagen?
Angst ist deine Verbündete. Sie zeigt dir auf, wo du von deinem Weg abgekommen bist, und hilft dir, wieder zurückzufinden. Wie ein Kompass, der dich leiden lässt, je mehr du nicht im Einklang mit deinem Weg gehst, und dir Leichtigkeit schenkt, wenn du auf deinem Weg bist.
Bedanke dich bei deiner Angst, dass sie für dich da ist. Dir den Weg zeigt. Und dann höre ihr einfach zu. Wo erkennst du, dass du eigentlich weisst, was zu tun ist, du es aber nicht wahrhaben willst und dich davor drückst?
Die Angst und das Leiden lassen dich nicht im Stich. Sie lassen nicht zu, dass du deine Verantwortung nicht wahrnimmst. Sie erinnern dich, dass da noch mehr ist. Und dass es Zeit ist, zurückzukehren auf deinen Pfad. Dich hinzugeben. Deinem inneren Ruf zu folgen. Deine Sehnsucht wiederzuentdecken. Alles andere loszulassen, was dir nicht mehr dient. Und dann kann sich Leichtigkeit einstellen.
Folge dieser Leichtigkeit.
Sie zeigt dir ab jetzt den Weg.
Schön, dass Du da bist.
Wenn etwas in Dir Resonanz gefunden hat, lade ich Dich ein, einfach damit zu sein, zu reflektieren oder auf Deine eigene Weise zu antworten – in Gedanken, im Schreiben oder in stiller Präsenz.
Und wenn nicht jetzt, ist das auch vollkommen okay. Es gibt keinen Druck, keine Eile.
Bis zum nächsten Mal,
– Jan

