Karma.

Das Wort „Karma" hat eine lange Reise hinter sich, weit weg von seinen Ursprüngen. Im Alltag benutzen wir es beiläufig: „Das ist Karma" oder „Was du säst, wirst du ernten." Wir stellen es uns als kosmischen Buchhalter vor, der unsere guten und schlechten Taten zählt und irgendwann Tugend belohnt und Fehlverhalten bestraft.

Aber was, wenn dieses Verständnis, so vertraut es auch sein mag, nur an der Oberfläche kratzt? Was, wenn es sogar etwas viel Befreienderes verdeckt?

Lass uns gemeinsam eine sanfte Reise unternehmen, zurück zu den Wurzeln dieses uralten Konzepts, und entdecken, wie seine ursprüngliche Bedeutung die Art verändern kann, wie wir leben, erschaffen und uns selbst begegnen.

Jenseits von Gut und Schlecht.

Das populäre Verständnis von Karma trägt eine schwere Last des Urteilens. Gutes Karma. Schlechtes Karma. Kosmische Strafe. Göttliche Belohnung. Es rahmt das Leben als moralisches Hauptbuch, in dem wir Schulden oder Guthaben ansammeln, basierend auf unseren Handlungen.

Aber hier ist eine stille Wahrheit: Urteilen ist ein Ego-Konstrukt.

Wenn wir etwas als „gut" oder „schlecht" bezeichnen, filtern wir die Realität durch unsere begrenzte Perspektive, unsere Konditionierung, unsere Angst. Wir setzen uns selbst als Richter über das Entfalten des Lebens. Und das ist vielleicht genau die Falle, die uns von unserem Ganzsein getrennt hält.

In reiner Präsenz, in der Stille jenseits des Verstandes, gibt es kein Urteilen. Es gibt nur das, was ist. Die Dinge sind einfach, ohne gewogen, gemessen oder verurteilt werden zu müssen. Ein Gewitter ist nicht „schlecht". Ein sonniger Tag ist nicht „gut". Sie sind einfach Ausdrucksformen des Lebens, jede mit ihrem eigenen Platz im größeren Entfalten.

Die Natur bestraft oder belohnt nicht. Sie reagiert einfach. Ursache und Wirkung, endlos fließend, ohne moralischen Kommentar.

„Karma ist Absicht. Nachdem man gewollt hat, handelt man durch Körper, Sprache und Geist."
– Anguttara Nikaya 6.63

Das ist das ursprüngliche Herz von Karma. Nicht Urteilen. Nicht Bestrafung. Sondern Absicht.

Der Samen der absichtsvollen Handlung.

Das Wort „Karma" stammt aus dem Sanskrit karman (कर्म) und bedeutet schlicht „Handlung" oder „Tat". In der alten vedischen Tradition bezog es sich ursprünglich auf rituelle Handlungen, die ausgeführt wurden, um die kosmische Harmonie aufrechtzuerhalten. Später, als die hinduistische und buddhistische Weisheit sich vertiefte, kam Karma dazu, etwas Subtileres zu bedeuten: absichtsvolle Handlung.

In der buddhistischen Lehre ist Karma spezifisch willentliche Handlung, bekannt als cetanā. Es ist die Absicht hinter einer Handlung, die zählt, nicht bloß die Handlung selbst. „Karma ist Absicht", soll der Buddha gelehrt haben. Was wir wollen, was wir wählen, was wir mit unseren Herzen und Gedanken in Bewegung setzen – das ist Karma.

Stell es dir vor wie das Pflanzen von Samen. Jede Absicht, jede bewusste Entscheidung ist ein Samen, der in den Boden unseres Seins fällt. Unter den richtigen Bedingungen wachsen diese Samen. Sie formen unsere Gewohnheiten, unsere Neigungen, unsere innere Landschaft. Sie beeinflussen, wie wir wahrnehmen, wie wir reagieren, wie wir das Leben erfahren.

Das ist keine Bestrafung. Es ist keine Belohnung. Es ist einfach, wie die Dinge funktionieren. Wie du handelst, so wirst du.

Die Samen der Angst wachsen zu Mustern der Angst heran. Die Samen der Liebe wachsen zu Mustern der Liebe heran. Wir pflanzen immer, kultivieren immer, werden immer zur Ernte unserer eigenen Intentionen.

Und hier liegt die tiefe Freiheit in diesem Verständnis: Wenn Karma absichtsvolle Handlung ist, dann kann Karma transformiert werden. Es ist kein feststehendes Urteil, das von oben herab verkündet wird. Es ist ein lebendiger Prozess, der auf die Qualität unserer Präsenz, unseres Bewusstseins, unserer Entscheidungen im Hier und Jetzt reagiert.

Die alten Lehren sagen uns, dass Karma transzendiert werden kann – nicht indem wir davor weglaufen, sondern indem wir Bewusstsein hineinbringen. Durch spirituelles Wissen. Durch selbstloses Handeln. Durch Hingabe. Durch das Heimkommen zu dem, was wir wirklich sind.

Karma und der Way of Creation.

Wie fügt sich dieses Verständnis von Karma in unsere Reise hier, auf dem Way of Creation, ein?

Wenn Karma Absicht ist, dann ist jeder Moment des Erschaffens ein Moment des Karmas. Jeder Pinselstrich, jedes geschriebene Wort, jede Entscheidung, aufzutauchen und etwas Echtes in die Welt zu bringen. Wir machen nicht nur Dinge. Wir pflanzen Samen. Wir formen, wer wir werden.

Und das lädt uns ein, nicht aus Angst zu erschaffen, sondern aus Liebe. Nicht aus dem Ego, sondern aus der Seele. Nicht aus Urteilen, sondern aus Präsenz.

Wenn wir aus Angst erschaffen, aus dem verzweifelten Bedürfnis, uns zu beweisen, Ergebnisse zu kontrollieren, „gut genug" zu sein, pflanzen wir Samen der Kontraktion. Wir verstärken die Muster, die uns klein halten.

Aber wenn wir aus Liebe erschaffen, aus Hingabe, aus Vertrauen in den Prozess selbst, pflanzen wir Samen der Expansion. Wir richten uns auf etwas Tieferes aus als unseren persönlichen Willen. Wir werden verfügbar für das, was durch uns fließen möchte.

Das ist der Wandel vom Leben im „Pop-Karma" der äußeren Vergeltung zum Leben im wahren Karma der absichtsvollen Präsenz. Es geht nicht darum, was das Leben uns „zurückgeben" wird. Es geht darum, wer wir in jedem Moment der Wahl werden.

Der Way of Creation dreht sich nicht darum, gutes Karma anzusammeln oder schlechtes Karma zu vermeiden. Es geht darum, so viel Bewusstsein in unsere Intentionen zu bringen, dass wir aus Ganzsein handeln statt aus Fragmentierung. Aus Verbundenheit statt aus Trennung. Aus dem stillen Wissen des Herzens statt aus den ängstlichen Berechnungen des Verstandes.

Auf diese Weise wird Karma nicht zur Last, sondern zum Geschenk. Es wird zum Weg der Transformation selbst.

Eine abschließende Einladung.

Vielleicht kannst du heute, während du durch dein Leben gehst, innehalten und beobachten.

Welche Samen pflanze ich gerade?
Was ist die Absicht hinter dieser Handlung, diesem Wort, dieser Entscheidung?
Handle ich aus Angst oder aus Liebe?
Erschaffe ich aus dem Ego oder aus der Seele?

Es liegt kein Urteilen in diesen Fragen. Nur Neugier. Nur Präsenz. Nur die zarte Bereitschaft, dir selbst genau dort zu begegnen, wo du bist.

Denn letztendlich geht es bei Karma nicht darum, was das Universum dir antun wird. Es geht darum, was du dir selbst antust, Moment für Moment, Intention für Intention.

Und in diesem Bewusstsein kann sich alles verändern.

Wie du handelst, so wirst du.

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